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Die thermische Geschichte und das Kohlenwasserstoffpotential der Alpen und Dinariden Sloweniens

Rainer, T.M.

Montanuniversität Leoben, Institut für Geowissenschaften, Peter-Tunner-Strasse 5, A-8700 Leoben

Slowenien liegt im Grenzbereich von Ostalpen, Südalpen, Dinariden und den Ausläufern des Pannonischen Beckens und ist dadurch ein Schlüssel für das Verständnis der geologischen Zusammenhänge dieser großtektonischen Einheiten. Die Ostalpen sind gekennzeichnet durch nordwärts gerichtete, die Südalpen durch südwärts gerichtete Überschiebungen. Die Dinariden ihrerseits zeigen SW vergente Deckenstapel. Das beherrschende tektonische Element ist die Periadriatische Naht, welche die Grenze zwischen ostalpinen, sowie südalpinen / dinaridischen Einheiten bildet. Ihre Rolle bezüglich der frühen thermischen Entwicklung des Gebietes ist unklar. Im Raum Slowenien wird sie von zahlreichen W-E bis NW-SE streichenden Scherzonen (Donat-, Sava-Celje-, Ljutomer-, Sostanj-Störung) begleitet, an denen im Zusammenhang mit der Heraushebung der Ostalpen und der Bildung des Pannonischen Beckens, im Tertiär große dextrale Bewegungen stattfanden (Haas et al., 1995; Genser & Neubauer, 1989; Ratschbacher et al., 1989; 1991; Kazmer & Kovac, 1985; Fodor et al., im Druck).

Nach Mioc (1995) wird Slowenien von vier geotektonischen Einheiten (Terranes) aufgebaut, welche zum Teil von eozänen bis pliozänen Sedimenten des Pannonischen Becken Systems überlagert werden. Diese Terranes (von N nach S) sind:

Hiervon abweichende tektonische Einteilungen stammen etwa von Sikosek (1971), Herak (1986) oder Buser (1987).

Im Rahmen des vorliegenden Projektes soll die thermische Reife (Diagenese bis niedrigstgradige Metamorphose) unterschiedlicher stratigraphischer Horizonte aus allen alpidischen und dinaridischen Einheiten mittels temperatursensitiver organischer (Vitrinitreflexion, Tmax) und anorganischer Parameter (Illit-Kristallinität) bestimmt werden. Dadurch kann eine erste grobe Abschätzung der Paläo-Temperatur Bedingungen getroffen werden. Weiters wird aus diesen Parametern Information über den Zeitpunkt der Aufheizung (prae-, syn-, posttektonisch) der Sedimente, etwa in Bezug auf Tektonik in den Südalpen / Dinariden oder den strike-slip Bewegungen entlang der Periadriatischen Naht und den sie begleitenden Störungsbündeln erwartet. Radiometrische Altersdatierungen (Fission Track, Ar-Ar) sollen zu zusätzliche Aussagen führen. Zudem sollen diese Parameter die tektonische Interpretation unterstützen. Sinn und Betrag von Verschiebungen entlang von Störungssystemen (im Falle einer präe-tektonischen Aufheizung der Sedimente) können erfaßt oder Störungen, die Gebiete mit unterschiedlicher thermischer Überprägung trennen, kartiert werden. Weiters werden die Parameter zur Kalibrierung numerischer Paläo-Wärmefluß Modelle benutzt. Ein weiteres Projektziel ist die Abschätzung des Kohlenwasserstoff-(KW)-potentials klastischer, wie auch karbonatischer Sedimente Sloweniens. Mittels TOC (Total organic Carbon)-Bestimmung und Rock Eval Pyrolyse sollen Aussagen über Menge, Art (Kerogentyp) und Reife der organischen Substanz Permo-Mesozoischer KW-Muttergesteine getroffen werden. Der Zeitraum der Generierung der KW wird durch die Wärmeflußmodelle simuliert und eingeengt. All diese Informationen sollen gemeinsam mit den Ergebnissen eines Vorgängerprojektes (beschäftigte sich mit den tertiären Sedimenten des slowenischen Anteiles des Pannonischen Beckens) zu einem besseren Verständnis des KW Potentials dieses Gebietes, in dem Alpen, Dinariden und Pannonisches Becken zusammentreffen, führen.

Literatur

Buser (1987): Mem. Soc. Geol. It., 40: 313-320, Roma.

Fodor et al. (im Druck): Tectonics.

Genser & Neubauer (1989): Mitt. Österr. Geol. Ges., 81: 233-243, Wien.

Haas et al. (1995): Tectonophysics, 242: 19-40, Amsterdam.

Herak (1986): Acta Geologica, 16,1-42, Zagreb.

Kazmer & Kovac (1985): Acta Geol. Hung., 28/1-2: 71-84, Budapest.

Mioc (1995): Internal report of the IGCP, 276, Terrane maps. 44pp.

Ratschbacher et al. (1989): Geology, 17: 404-407, Boulder.

Ratschbacher et al. (1991): Tectonics, 10: 257-271, Washington DC.

Sikosek (1971): Zvezni Geol. zavod, 1-56, Beograd.