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Eine stratigraphische Neubearbeitung der Triasvorkommen am Zumpanell und Übergrimm (Ortler Gruppe, Südtirol): Revision der tektonischen Position und Abschätzung des alpidischen Metamorphosegrades mittels IC und VR.

Ustaszewski, K.

Institut für Geologie und Paläontologie, Universität Innsbruck, Innrain 52, A-6020 Innsbruck

Die Triasvorkommen am Zumpanell und am Übergrimm (zwischen Sulden- und Trafoital) in den östlichsten Engadiner Dolomiten (Zentrales Oberostalpin) wurden bislang von der Mehrzahl der Bearbeiter, trotz tektonischer Trennung und Unklarheiten über den stratigraphischen Umfang, dem Stockwerk der Ortler Decke zugeordnet.

Eine detailierte Neubearbeitung der Stratigraphie sollte insbesondere die erwähnten Unklarheiten klären sowie einen Bezug zur kalkalpinen Stratigraphie herstellen.

So zeigt die Zumpanell-Trias eine tektonisch reduzierte Abfolge vom Permoskyth, in parautochthonem Kontakt mit dem Basement, bis zum Niveau der Raibler Schichtgruppe. Das Anis zeigt mit den primär eisenreichen, magnesitvererzten und quarzführenden Dolomiten große Übereinstimmung mit denen der Follerkopf Formation im Unterbau der S-charl Decke in der Nähe des Reschenpasses. Des Weiteren finden sich Ähnlichkeiten mit dem Eisendolomit der Krabachjochdecke der Lechtaler Alpen oder der Virgloria Formation im Brenner Mesozoikum.

Die vermutlich ladinische Dolomit-Tonschiefer-Wechsellagerung mit synsedimentären Rutschfalten und stellenweise intensiver Bioturbation, gefolgt von dickbankigen, stromatolithisch laminierten Dolomiten entsprechen einem Äquivalent der Partnach Schichten und der Wetterstein Formation. Das Niveau der Raibler Schichten diente als Abscherhorizont für die Überschiebung der Ortler Decke auf die Zumpanell Trias.

Die Trias am Übergrimm zeigt eine unvollständige Abfolge vom Permoskyth bis ins Karn, wobei das gesamte Anis tektonisch bedingt fehlt. Über undeutlich geschichteten Konglomeraten mit Vulkanoklastika in autochthonem Kontakt mit dem Basement folgt eine mächtige Dolomitabfolge, die bislang als Hauptdolomit der Ortler Decke kartiert worden war. Sie stellt jedoch das Ladin-Niveau dar. Dies geht - trotz eklatanten Mangels biostratigraphischer Daten - aus Untersuchungen des ?34S-Isotopenverhältnisses an Gipsen im Hangendsten dieser Abfolge hervor, die mit +14.9 bis +16.6 ‰ ±0.2 (nach CDT-Standard) für das Karn typische Werte zeigen.

Die fazielle Ausbildung beider Triasvorkommen zeigt, trotz der aufgeführten Unterschiede untereinander, Übereinstimmung mit der des S-charl Unterbaues. Daher sollten diese tektonischen Elemente fortan – auch aus geometrischen Überlegungen heraus – nicht mehr der Ortler Decke, sondern dem Unterbau der S-charl Decke zugeordnet werden.

Eine Untersuchung der Illitkristallinität nach der CIS-Skala von Warr & Rice (1994) an Tonschiefern und Kalken des Arbeitsgebietes ergeben – mit Ausnahme der Proben aus der Trias vom Übergrimm – sehr konsistente Werte im Grenzbereich Anchizone-Epizone (0.26 bis 0.36 °?2? CIS).

Die Werte der Vitrinitreflexion liegen zwischen 2.4 und 3.4% (Rr%). Damit entsprechen sie dem Kohlenrang eines Semi-Anthrazits bis Anthrazits nach der ASTM-Klassifikation. Eine Berechnung der maximalen Inkohlungstemperatur nach Barker & Pawlewicz (1986) oder Barker & Goldstein (1990) ergeben Werte zwischen 260 und rund 300° C. Diese Werte sind im Einklang mit Daten von Thöni (1983), der für alpidisch neugesproßten Phengit an der Basis der Ortler Decke Temperaturen im Bereich von 300° C annimmt.

Literatur

Barker, C., Pawlewicz, M. (1986): The correlation of Vitrinite Reflectance with maximum temperature in humic organic matter. - in: Lecture Notes in Earth Sciences, Vol. 5: Paleogeothermics, Springer Verlag, Berlin.

Thöni, M. (1983): The thermal climax of the early Alpine metamorphism in the Austroalpine thrust sheet. - Mem. Sci. Geol., 36: 211-238, Padova.

Warr, L., Rice, A. (1994): Interlaboratory standardization and calibration of clay mineral crystallinity and crystallite size data. - J. Metam. Geol., 12: 141-152.