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Geologie, Mineralogie und Schwefelisotopie der obertriadischen Gipse in Vorarlberg, West- und Nordtirol

M.A. GÖTZINGER, R. LEIN, E. PAK (Wien)

 Neben den bekannten Keuper-Gipsen des Penninikums (u.a. Engadiner Fenster) und des Semmering-systems treten in der Obertrias der Nördlichen Kalkalpen über dem Niveau der Raibler Schichten ebenfalls Evaporite auf. Sie werden entweder als das Resultat eines weltweiten regressiven Trends angesehen, welcher das durch Spiegelschwankungen 3. Ordnung gesteuerte zyklische Sedimentations-geschehen in den Raibler Schichten überlagert (BRANDNER, 1984), oder als Zeugen eines zunehmend arider werdenden Klimas gedeutet wird (BECHSTÄDT & SCHWEIZER, 1991). Für eine schrittweise Zunahme der Salinität im höheren Karn sprechen u.a. faunistische Argumente (GERRY et al., 1990; MONOSTORI, 1994).

Durchgehende karnische Evaporitabfolgen sind vor allem im Tirolikum des Westabschnittes der Nördlichen Kalkalpen aufgeschlossen (ANGERER et al., 1980), aber auch im Osten im Niveau der Opponitzer Rauhwacke entwickelt.

In den 10 bisher untersuchten Gipsvorkommen und (ehemaligen) Lagerstätten im W-Abschnitt der Nördlichen Kalkalpen bildet Gips stark verfaltete Körper, die im cm-Bereich eine charakteristische, vermutlich primäre Bänderung aufweisen. Diese wird durch Tonminerale und Dolomit verursacht. Der farbliche Gesamtcharakter des Gipses ist graubraun. Auffallend sind in vielen Vorkommen zur Bänderung diskordant verlaufende Klüfte und Gängchen, die von schneeweißem Gips gebildet werden. Aus den Ortsbildern ist auf kleinräumige Mobilisation zu schließen. Anhydrit ist in oberflächennahen Bereichen bisher nicht festgestellt worden.

An Schwefelisotopenwerten (d 34S) obertriadischer Gipse liegen von einzelnen österreichischen Vorkommen (oft bisher unpublizierte) Daten vor (siehe Tab. 26 in L. WEBER et al., 1997). Diese etwa ein Dutzend Werte schwanken zwischen +14,8%o und +16,7%o (CDT).

Aus dem Bereich Reutte, Weißenbach und Oberlech (Tirol), sowie aus dem Rellstal und dem Montafon (Vorarlberg) liegen nunmehr neue S-Isotopenwerte (Probennahme 1999) vor:

Der Mittelwert über vorläufig 18 gemessene Einzelproben aus diesen Bereichen liegt bei +15,85%o (CDT; s = ±0,40). Damit stellt die Standarbabweichung der 18 Einzelmessungen nur den doppelten Wert der methodischen Standardabweichung von ±0,2 dar.

Kein isotopischer Unterschied konnte zwischen den gebänderten und den mobilisierten Gipsen fest-gestellt werden. Dies zeigt, daß die schneeweißen Gipse durch die lokal beschränkte Mobilisation keine isotopische Veränderung erfahren haben.

 

ANGERER, H. et al. 1980: Geol. Paläont. Mitt. Innsbruck, 9, 263-320, Innsbruck

BECHSTÄDT, T. & SCHWEIZER, T. 1991: Sed. Geol. 70, 241-270, Amsterdam

BRANDNER, R. 1986: Jb. Geol. B.-A. 126, 435-475, Wien

GERRY, E. et al. 1990: in WHATLEY & MAYBURY (eds.): Ostracoda and Global Events, 87-99

MONOSTORI, M. 1994: N. Jb. Geol. Paläont. Abh. 193, 311-331, Stuttgart

WEBER, L. et al. 1997: Archiv f. Lagerstättenforschung 19, 607 S, Wien

Dieses Projekt wurde in dankenswerter Weise von der Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien gefördert.