Zurück zu den Abstracts des 5. ÖSW

Kohlefazies und Sedimentologie der Eibiswalder Bucht (Steirisches Becken)

Wilfried Gruber1, Siegfried Hermann2, Reinhard F. Sachsenhofer1, Karl Stingl_

1 Institut für Geowissenschaften, Montanuniversität Leoben, Peter Tunner Str. 5, A-8700 Leoben

_ Institut für Geologie und Paläontologie, Karl-Franzens-Universität Graz, Heinrichstraße 26, A-8010 Graz

_ Institut für Geophysik, Montanuniversität Leoben, Peter Tunner Str.27, A-8700 Leoben

Kohlenpetrographische und geochemische Verfahren werden angewandt um gemeinsam mit Literaturdaten die Moorfazies zur Zeit der Ablagerung der Wieser und Wernersdorfer Flöze zu rekonstruieren. Die neuen Erkenntnisse werden im Rahmen der Entwicklungsgeschichte der Eibiswalder Bucht, dem südlichen Teil des Weststeirischen Beckens, diskutiert.

Das Wieser Flöz weist eine geringe Mächtigkeit (durchschnittlich 1,2 m), aber eine für inneralpine Kohlen außerordentlich große laterale Ausdehnung (~25 km2) auf. Seine Bildung erfolgte in einem Niedermoor. In dessen östlichen Teil dominierte eine Vegetation mit geringer Erhaltungsfähigkeit (krautige Gewächse, Laubbäume), während Pflanzen mit einem guten Erhaltungspotential (z.B. Koniferen) im Bereich Pölfing vorherrschten. Das Moor baute sich weit nach Norden in einen Bereich offenen Wassers vor. In diesen mündete ein träge fließender Fluss, der während der gesamten Moorbildung aktiv war. Die Flözbildung endete durch Überflutung. Hohe Schwefelgehalte deuten eine zumindest kurzfristige brackische Beeinflussung an. Die Hangendschichten werden als küstennahe Sedimente interpretiert.

Das Wernersdorfer Flöz entstand gleichfalls in einem Niedermoor. Häufige Überflutungsereignisse führten zu mehreren Zwischenmitteln und hohen Aschegehalten, was die Qualität der Kohle reduziert. Der Schwefelgehalt des Wernersdorfer Flözes ist noch höher als jener des Wieser Flözes. Auch für dieses wird daher eine brackische Beeinflussung angenommen.

Das zur Zeit nicht zugängliche Eibiswalder Flöz ist nach einigen wenigen Kohlenanalysen arm an Asche und Schwefel. Insbesondere die geringen Schwefelgehalte lassen eine Süßwasserentwicklung vermuten, die mit einer nicht-marinen Fischfauna übereinstimmt. Geringe laterale Kontinuität und z.T. beträchtliche Mächtigkeiten sind charakteristisch für Bereiche mit rasch ansteigendem (Grund-) Wasserspiegel. Fischschiefer und Mergel mit Muscheln im Hangenden des Flözes belegen ein Ertrinken des Moores.

Die paläogeographische Situation des Wieser Flözes macht Überlegungen zum bisher vermuteten karpatischen Alter des Eibiswalder und Wieser Flözes möglich: Das Wieser Flöz wurde im Nahbereich eines nördlich gelegenen, vermutlich marinen Beckens abgelagert. Die erste marine Transgression in das Weststeirische Becken erfolgte im unteren Badenium, weswegen wir ein badenisches Alter des Wieser Flözes annehmen. Damit in Übereinstimmung steht, dass die Flözplatte, abgesehen von einer flachen Wellung, nur von ostgerichteten Abschiebungen betroffen wurde, die typisch für die mittel/spät-miozäne Extensionstektonik im Weststeirischen Becken sind. Hinsichtlich des vermuteten karpatischen Alters des Eibiswalder Flözes ergeben sich keine neue Aspekte.