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Geologisches zur Baugeschichte der Burg Gösting bei Graz

Bernhard Hubmann*) & Bernd Moser**), Graz

Über dem engen Durchbruchstal der Mur, knapp vor dem Eintritt in das Grazer Feld liegt auf steilem Felsen eine der geschichtlich bedeutsamsten Burgen der Steiermark. Heute sind von dieser Anlage, deren Anfänge zumindest ins 12. Jh. zurückgehen, alle wesentlichen Bauanteile noch erkennbar. Ab dem 18. Jh. setzte der rapide Verfall ein.

Die Wehranlage kann im wesentlichen in einen älteren Ostteil mit dem Bergfried (2), gegenüberliegendem ursprünglichen Palas (4) bzw. dem später errichteten Palas (3) und der Kapelle (1), sowie einen Westteil mit ursprünglichen, markantem Fünfeckturm (7) gegliedert werden.

Den einzelnen Bauphasen kann unterschiedliches Baumaterial zugeordnet werden, das größtenteils aus der unmittelbaren Umgebung entstammt, insbesondere vom Burgberg selbst, der aus Gesteinen der Flösserkogel-Formation (Emsium; Grazer Paläozoikum) besteht. In der ersten Bauphase (v.a. Sockelgeschoss von 2 und Erdgeschossanteile von 4) wurden die gelblichen Sandsteine (Göstinggraben-Subformation), die den Untergrund der Burg bilden verwendet. Speziell für den Bau der südlichen Ringmauer (8) verwendete man ebenfalls diese Sandsteine, die durch ihre Bankung bzw. gleichmäßige Klüftung als Bausteine gut geeignet sind. Sie ermöglichten eine Gewinnung von nahezu gleichdimensionalen Quadern, womit eine "ziegelartige" Verbauung verwirklicht werden konnte. In historisch nachfolgender Bautätigkeit kamen vermehrt die hellgrauen Dolomite (Pfaffenkogel-SbFm.) zusammen mit den Sandsteinen zum Einsatz, später die Vulkanite der Admonter-SbFm.. Weite Anteile der nördlichen Ringmauer (9) sind ausschließlich aus den violetten Brockentuffen erbaut. Baugeschichtlich jüngere Phasen, die die letzten Um- und Ausbauaktivitäten markieren, sind durch die Verwendung von Ziegeln charakterisiert.

Besonders markant treten in den Mauerwänden "exotische" Gesteine hervor. Diese sind auf Tür- und Fensterleibungen sowie auf Bauwerkskanten beschränkt. Einige von ihnen sind in wenigen 100er Metern oder wenigen Kilometern Entfernung zur Burg zu finden. Das betrifft vor allem die gastropodenführenden Süßwasserkalke des Thaler Beckens (Sarmatium, "Waldhofschichten"), die "Eggenberger Brekzie" (Sarmatium) und Kalktuffe. Größere Transportweiten haben die "Exotika" des Bergfriedes (2) und der Kapelle (1). Die Fensterleibungen der romanischen Kapelle und große Anteile der Kanten des Bergfriedes bestehen aus "Leithakalk" (Badenium, Weissenegg-Fm.), z.T. vom Typus "Aflenzer Sandstein", wie er bereits den Römern bekannt war. Die Ecksteine der Kapelle (nur an den wettergeschützten Bereichen erhalten) bestehen aus "Kainachtaler Sandstein" (Campanium; Afling-Fm.) einem Baustein, der erst im 18. und 19. Jh. größere Bedeutung im Grazer Raum erlangte.

Die detaillierte Bausteinkartierung ergab in der Zusammenschau mit dem geologischen Aufbau des Burgberges und der umgebenden Gebiete, dass einerseits ökonomische Überlegungen (Transport) andererseits Faktoren wie Ästhetik (Kontrastwirkung der dunklen Gosausandsteine) und möglicherweise auch Baustatik eine Rolle spielen. Für eine fachgerechte Restaurierung (Große Aktivität des ältesten Burgenvereins!) ist die Zusammenarbeit zwischen Bauhistorikern und Erdwissenschaftlern von großer Bedeutung.

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*) Institut für Geologie und Paläontologie, Karl-Franzens-Universität Graz, Heinrichstraße 26, 8010 Graz

**) Referat für Mineralogie, Landesmuseum Joanneum, Raubergasse 10, 8010 Graz