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Tektonisch beeinflusste Erosions- und Transgressionsphasen, ?Spätes Coniac bis Frühes Santon (Brandenberg-Eiberg-Kiefersfelden, Tirol)

Diethard Sanders, Wolfgang Thöny

Institut für Geologie und Paläontologie, Universität Innsbruck, A-6020 Innsbruck

 Im betrachteten Bereich kam es im ?Späten Coniac zur Zerlegung ausgedehnter Schelfablagerungen (Oberturon-Coniac) an Normalbrüchen, begleitet von subaerischer Erosion. Während des Frühen Santon erfolgte eine Transgression, die örtlich durch tektonisch gesteuerte Regression (Bildung von "forced regressive wedges") und subaerische-submarine Erosion unterbrochen wurde. Im Anschluss daran kam es noch während des Frühen Santon zu rascher Transgression und Absenkung des gesamten Bereiches in bathyale Tiefen.

Eine Phase von Erosion, gefolgt von Transgression und markanter Abtiefung wurde von Wagreich (1991) für die meisten grossen Gosau-Vorkommen anhand Subsidenzanalysen ermittelt. Neukartierung im Bereich Brandenberg, Pendling-Kiefersfelden und Eiberg ergab, dass im Verlauf wahrscheinlich des Späten Coniac ehemals ausgedehnte Schelfablagerungen (paralische Sandsteine, Korallen-Rudistenformationen; Oberturon-Coniac) subaerischer Freilegung und Erosion unterworfen waren. Die Erosion war von Zerlegung an Normalbrüchen begleitet, was zu einer fleckenhaften Erhaltung der Schelfablagerungen in Bruchgräben führte. In vielen Bereichen griff die Erosion bis auf Trias und Jura.

Während des Coniac-Frühen Santon erfolgte eine Transgression mit Karbonatkies- bis -felsküsten (Ablagerung karbonatlithischer Bryozoen-Corallinen Arenite), die auf weite Bereiche zur Abtiefung in tiefneritische und bathyale Milieus führte. Im südlichen Teil von Brandenberg, und im Bereich Pendling-Kiefersfelden sowie im Bereich der östlichen Thierseemulde wurde die Transgression durch Meeresspiegelfall unterbrochen. Es kam örtlich zur Bildung von Sedimentzungen (Arenite bis grobe Strandkonglomerate), die reich an aufgearbeiteten untersantonen Bio- und Lithoklasten sind ("forced regressive wedges"). Zumindest eine dieser Sedimentzungen ist, in proximaler Position, verkarstet, und zeigt in distaler Position an ihrem Dach einen tief korrugierten Hartgrund submariner/subaerischer Bildung. Örtlich wurde die untersantone Abfolge völlig erodiert, und ist nur noch als Lithoklasten in neptunian dykes erhalten. Noch während des Frühen Santon erfolgte erneute, rasche Transgression und Abtiefung in bathyale Milieus. Zumindest bereichsweise währte tiefmarine Sedimentation bis in das Paleozän.

Der Vergleich mit dem Lattenberg und Untersberg bei Salzburg zeigt, dass auch die dortigen, stets kleinen, isolierten Vorkommen terrestrischer bis flachneritischer Abfolgen (zB. das Krönner-"Riff") Erosionsreste darstellen. Die neuerliche Transgression erfolgte auch dort mit Karbonatkies- bis -felsküsten (Abl. des "Untersberger Marmor") im Anschluss an tiefe Erosion und Verkarstung.

Wagreich, M., 1991, Subsidenzanalyse an kalkalpinen Oberkreideserien der Gosaugruppe (Österreich). Zentralbl. Geol. Paläont., Teil I, 1645-1657.