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Mikrofauna und -flora der Oberkreide-Karbonate der Ostalpen: eine Übersicht

Felix Schlagintweit1, Diethard Sanders2

1: Lerchenauerstr. 167, D-80935 München. 2: Institut für Geologie und Paläontologie, Universität Innsbruck, A-6020 Innsbruck

Die Mikrofauna/-flora der Flachwasserkarbonate der Unteren Gosau-Subgruppe ist bisher nur punktuell dokumentiert. Anhand mikropaläontologischer Auswertung einiger Hundert Dünnschliffe von mehreren Lokalitäten wurde (a) ein Inventar des Foraminiferen- und Kalkalgenbestandes sowie von Mikroproblematika erstellt, (b) typische Mikrofossil-Vergesellschaftungen bestimmter Paläomilieus erarbeitet, (c) die paläobiogeographische Affinität der Karbonat-Ablagerungsmilieus (Oberturon-Santon) des heutigen Ostalpins erfasst. Die Karbonatablagerungssysteme der Unteren Gosau-Subgruppe bestanden aus Korallen-Rudistenaufbauten, Rudistenbiostromen, bioklastischen Sandkörpern und, örtlich, flachsubtidalen Bereichen ("Lagunen"). Karbonat-Gezeitenflächen und Karbonathang-Ablagerungssysteme fehlten.

Diversität und Densität von Benthosforaminiferen und Kalkalgen sind in Wackestones der "äußeren Lagune" meist hoch. Neben diversen klein- und großwüchsigen Milioliden finden sich Moncharmontia, Nummofallotia, Cuneolina, Nezzazatinella und Paläotetrataxiella n.gen., sowie Dasycladaceen, Udoteaceen und Gymnocodiaceen (insbesondere Milanovicella hammudai, Terquemella/Acicularia div. spec., Boueina sp., Permocalculus irenae). In Karbonaten "interner Lagunen" sind Benthosforaminiferen ebenso häufig, jedoch weniger divers, z.B. Cuneolina div. spec., Vidalina hispanica und Milioliden. Die Kalkalgen-Flora besteht aus Dasycladaceen und Udoteaceen, vertreten durch Neomeris circularis, Dissocladella? pyriformis, Halimeda paucimedullaris und Oroseina pletzachensis. Gelegentlich treten auch Girvanella-Matten auf. Eine Sonderfazies bilden Cuneolina-Wacke/Packstones. Fazies noch flacherer Milieus führen nur noch Neomeris circularis und wenige Milioliden, sowie Sandschaler (z.B. Rheopax). Die Mikrofauna des karbonatischen Flachwassermilieus wurde vom siliziklastischen Eintrag mitbeeinflusst: stärker sandige Karbonate zeichnen sich durch eine Vielzahl kleinwüchsiger, bi- und triserialer Sandschaler und Milioliden aus; Kalkalgen treten deutlich zurück oder fehlen.

Habitate nahe Korallen-Rudisten Aufbauten waren relativ arm an Foraminiferen, und sind von inkrustierenden Sandschalern (Placopsilinidae, Acruliammina) dominiert. Dasycladaceen wie die großwüchsige Anisoporella? gigantea n. sp. und die Udoteacee Permocalculus (Pyrulites) senonicus n. sp. sind relativ selten; Rotalgen sind vertreten durch Corallinaceen (Sporolithon gosaviense), Peysonneliaceen (Pseudolithothamnium album) und Solenoporaceen (Parachaetetes lichenoides, Elianella elegans, Pycnoporidium sinuosum). Mikroproblematica sind Pienina oblonga, Carpathiella triangulata, "Serpelproblematikum" und Pseudotubiphytes nov. genus. Rudistenkalke und bioklastische Kalke, die von Karbonatsandkörpern abgelagert wurden sind arm an Foraminiferen und Kalkalgen.

Ein Vergleich mit Karbonaten von Spanien, Frankreich und Italien zeigt, dass der Foraminiferenfauna der Ostalpen einige typisch südtethyale Gattungen fehlen, sie aber auch eigenständige Elemente führt. In den Karbonaten der Zentralalpinen Gosau Gruppe hingegen treten typisch südtethyale Rudisten und Foraminiferen auf (Sanders, Pons & Caus, unpubl.). Ein biogeographischer "Filter" (zumindest) für Foraminiferen und Rudisten zwischen den zukünftigen Nord- und Zentralalpen muss angenommen werden.