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Sedimentologisch-paläontologische Untersuchungen an einer mittelmiozänen Karbonatplattform der Zentralen Paratethys (Eisenstadt-Sopron Becken, Badenium)

Hanns Peter Schmid 1, Mathias Harzhauser 2 & Andreas Kroh 3

1 Hanns Peter Schmid, Institut für Geologie, Universität Wien, UZA II, Geozentrum, Althanstraße 14, A-1090 Wien, Österreich; e-mail: hanns.peter.schmid@univie.ac.at

2 Mathias Harzhauser, Geologisch-Paläontologische Abteilung, Naturhistorisches Museum Wien, Burgring 7, Box 417, A-1014 Wien, Österreich; e-mail: mathias.harzhauser@nhm-wien.ac.at

3 Andreas Kroh, Institut für Geologie und Paläontologie, Karl-Franzens Universität Graz; Österreich; e-mail: discometra@gmx.at

Im Badenium wird das Eisenstadt-Sopron Becken durch Karbonatplattformen gegliedert. Diese werden von unterschiedlichsten Lithofazies-Typen des Leithakalks aufgebaut. Auch der untersuchte Steinbruch "Kummer" (St. Margarethen, Burgenland) weißt Leithakalksedimente verschiedener Faziesbereiche auf (Dullo, 1983). Das sedimentäre Environment, im Speziellen die beitragenden Transportmechanismen und mögliche paläogeographische Schlüsse werden diskutiert.

Das aufgenommene Profil wird durch eine Wechsellagerung von Kalkareniten und Mergel charakterisiert. Zumindest eine fining und thinning upward Sequenz ist zu erkennen. Die im Liegenden des Profils dominierenden kreuzschräggeschichteten Kalkarenite (Algenschutt Fazies) führen eine allochthone Faunenvergesellschaftung aus Rhodolithen, Austern, Pectiniden und fragmentierten Echiniden. Die eingeschaltenen laminierten Mergel (laminierte Mergel Fazies) kennzeichnet eine diverse und gut erhaltene Fischfauna, vollständige Bryozoenkolonien, Echinodermen, Pectiniden und Brachiopoden. Diese Sequenz wird durch rudstones, die in einer 125 m lateral verfolgbaren und ~9 m tiefen Rinne abgelagert wurden, unterbrochen.

Als Paläoenvironment werden Karbonatsand-Untiefen interpretiert, die den Rand von kleinräumigen 30 m bis 60 m tiefen Wannen bilden. In den niedrig energetischen Wannen sedimentieren Mergel (autochthone Sedimentation). Von den Untiefen werden Kalkarenite durch Brandungsrückströmungen in das subtidale Niveau der Wannen transportiert. Das Profil schließt zumindest eine deepening upward Sequenz auf. Die eingeschalteten rudstones hingegen werden als debris flow Ablagerungen angesprochen, die durch Erdbeben ausgelöste Sedimentationsereignisse widerspiegeln.

Die ungewöhnlich gute Erhaltung der aus den laminierten Mergel stammenden Fauna wird auf zwei verschiedene Prozesse zurückgeführt: bei benthischen Organismen wie Seeigeln und Bryozoen begünstigte die geringe Wasserbewegung die artikulierte Erhaltung. Das gleichzeitige Absterben von Seeigelpopulationen dürfte hingegen auf gelegentlich auftretende Sauerstoffkrisen zurückzuführen sein. Sauerstoffarme Bodenbedingungen und das daraus ableitbare Fehlen von Räubern und Aasfressern erklären zugleich die zahlreichen weitgehend unzerstörten Fische.

Literatur:

Dullo, W.-Ch. (1983): Fossildiagenese im miozänen Leitha-Kalk der Paratethys von Österreich: Ein Beispiel für Faunenverschiebungen durch Diageneseunterschiede (Diagenesis of Fossils of the Miocene Leitha Limestone of the Paratethys, Austria: An example for Faunal Modifications Due to Changing Diagenetic Environments.) – Facies, 8: 1-112, Erlangen.