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Fault Backstripping: eine Methode zur Quantifizierung synsedimentärer Störungen am Beispiel des Wiener Beckens

WAGREICH, M. & SCHMID, H.P.

Institut für Geologie, Universität Wien, Althanstraße 14, A-1090 Wien, Email: michael.wagreich@univie.ac.at

Die Methode des Backstripping wird zur Berechnung von Subsidenzkurven und Sedimentationsraten von in einer Bohrung aufgeschlossenen Sedimentpaketen herangezogen. TEN VEEN & KLEINSPEHN (2000) gehen einen Schritt weiter und vergleichen Basement-Subsidenzkurven von Bohrungen, die jeweils auf dem Liegend- und dem Hangendblock einer synsedi-mentären Abschiebung liegen und schließen auf deren Geometrie und Bewegungsrate.

Diesen Ansatz aufgreifend, präsentieren wir eine Methode, die es erlaubt, absolute Bewegungsraten für synsedimentäre Abschiebungen abzuschätzen, und diese in Form eines step plots anschaulich darzustellen. Dabei werden mit Hilfe der Backstripping-Methode zunächst jeweils Basement-Subsidenzkurven für Liegend- und Hangendblock an einer synse-dimentären Abschiebung berechnet. Die Backstripping-Methode beinhaltet eine schrittweise Dekompaktion der Schichtglieder zu ursprünglichen Mächtig-keiten und berücksichtigt unterschiedliche Ablagerungstiefen. Aus diesen Daten werden dann, unter Benützung chronostratigra-phischer Einstufungen der Sedimente, Basement-Subsidenzraten und die Differenzen zwischen Liegend- und Hangendblock berechnet. Unter der Annahme reiner Abschiebungs- oder Auf-schiebungsgeometrien ohne Seitenverschiebungskomponente oder Sedimentationshiaten liefert die Methode damit absolute Bewegungsraten für Störungen, gemittelt über das betrachtete Zeitintervall.

Für das Miozän des Wiener Beckens zeigt die Methode in einem Querschnitt im zentralen Becken für das Karpatium extrem hohe Bewegungsraten über 3 mm/a im zentralen Beckenteil, während die westliche Randstörung erst im Badenium mit wesentlich geringeren Versetzungsbeträgen aktiv wurde. Markant ist eine Änderung der Bewegungsrichtung innerhalb des Karpatiums, aber auch später, etwa während der Sedimentation des Aderklaaer Konglomerats, zeigen Umkehrungen im Bewegungssinn ein komplexes tektonisches Geschehen mit möglichen kurzzeitigen Kom-pressionsereignissen an.

TEN VEEN, J.H. & KLEINSPEHN, K.L. (2000): Quantifying the timing and sense of fault dip slip: New application of biostratigraphy and geohistory analysis. - Geology, 28: 471-474, Boulder.