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"... ein steingewordenes Zeugnis"

HUBMANN, B., LÖW, A. & MESSNER, F.

Institut für Geologie und Paläontologie, Karl-Franzens-Universität Graz, Heinrichstraße 26, A-8010 Graz

Am 1.12.1999 wurde die historische Altstadt von Graz wegen der "Geschlossenheit ihrer vielschichtigen Bausubstanz vom Mittelalter bis in die Gegenwart" in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Die Stadt Graz, ein "singuläres Stadtdenkmal", stellt "ein steingewordenes Zeugnis" wechselnder Stile und europäischer Geschichte dar.

Soviel als Essenz aus der vom Magistrat Graz online zu diesem Thema zugänglichen Information.

Nahezu alle Fassaden der Gebäude im innerstädtischen Bereich weisen Bausteine auf, die der näheren Umgebung entstammen. Die Steine wurden vor allem für Sockelverkleidungen, Ecksteine, Tor- und Fensterleibungen verwendet. Das lithologische Spektrum ist relativ eingeschränkt. Überwiegend wurden Gesteine des Grazer Berglandes (Grazer Paläozoikum) verwendet, allen voran "Barrandeikalke" (Eifelium), "Kanzelkalke" (Givetium), "Steinbergkalke" (Frasnium) und "Sanzenkogelkalke" (Tournaisium). Diese Kalke haben nur eine anchizonale Metamorphose "durchlebt" (HASENHÜTTL & RUSSEGGER 1992, RUSSEGGER 1996) und weisen daher durchaus gut erhaltene primäre Gefüge und Fossilien auf. Interessanterweise fehlen unter den Bausteinen die fossilfreien "Halbmarmore" der Schöckel-Fm. ("Schöckelkalke"). Ein weiteres, sehr verbreitetes Fassadenmaterial stellen unterschiedliche Varietäten (dominant: "Aflenzer Stein") der "Leithakalke" (Badenium) dar. Durch die Bearbeitung (große Anbruch- und Anschnittflächen) bzw. die teilweise über 300jährige oberflächliche Anwitterung stellen viele dieser Fassadenteile in Bezug auf die Erfassung von Sedimentstrukturen und Fossilführung Aufschlüsse "erster Wahl" dar.

Bis zum Ereignis "Kulturhauptstadt Europas 2003" planen wir eine Kartierung der Bausteine innerhalb der "Schutzzone 1" (vgl. Abb.), sowie einen "erdwissenschaftlichen Exkursionsführer" durch die Grazer Innenstadt.

HASENHÜTTL, C. & RUSSEGGER, B. (1992): Niedriggradige Metamorphose im Grazer Paläozoikum. - Jahrb. Geol. Bundesanst., 135/1, 287-299, 5 Abb., 1 Tab., 1 Taf., Wien.
RUSSEGGER, B. (1996): Niedrigst- und niedriggradige Metamorphose im südlichen Grazer Paläozoikum (Ostalpen). - Jahrb. Geol. Bundesanst., 139/1, 93-100, 4 Abb., Wien.