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Stabile Isotopenuntersuchungen an sarmatischen Gastropoden in St. Margarethen/Zollhaus (Burgenland)

LATAL, C.1 HARZHAUSER, M.2 & PILLER, W.E.1

1Institut für Geologie und Paläontologie, Universität Graz, Heinrichstraße 26, A-8010 Graz; 2Geologische-Paläontologische Abteilung, Naturhistorisches Museum, Burgring 7, A-1014 Wien

Über Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopendaten von karbonat-ischen Schalenteilen können Paläoumweltbedingungen wie Wassertemperatur, Salinität und Produktivität von organischem Material rekonstruiert werden.

Isotopenuntersuchungen an sarmatischen Gastropoden aus dem Aufschluß St. Margarethen/Zollhaus (Burgenland) wurden im Rahmen des FWF-Projekts "Stabile Isotope und Umweltparameter im ostalpinen Miozän", das im Projektcluster "Änderungen in ost-alpinen miozänen Ökosystemen und ihre geodynamische Kontrolle" eingeschlossen ist, durchgeführt.
Paläogeographische Veränderungen führten zu einem dramatischen Wechsel im marinen Environment des Sarmatiums. Die Verbindung der zentralen Paratethys mit dem Mittelmeer wurde stark eingeschränkt (RÖGL 1998). In der Gastropodenfauna zeigen sich die Veränderungen durch eine gegenüber dem mit 700 Spezien reichen Badenium verarmte Fauna des Sarmatiums, in der besonders stenohaline Taxa zu fehlen scheinen. Lange wurde die markante Änderungen im marinen Environment auf eine Salinitätsreduktion zurück geführt (PAPP 1954). Ebenso wurde ein hypersalines Meer, basierend auf Evaporiten der Ostslovakei, diskutiert (JÀMBOR 1978). Die aktuellste Erklärung führt die Veränderungen auf eine drastische Alkalinitätszunahme zurück (PISERA 1996, RÖGL 1998). Die Bildung von kleinen biohermalen Karbonatkörpern sowie das weitverbreitete Vorkommen oolithischer Sedimente scheinen brackische Bedingungen zumindest im mittleren Sarmatium auszuschließen und unterstützen diese Interpretation (PISERA 1996).

Aus der spätsarmatischen Abfolge (Mactra-Zone) der Schottergrube St. Margarethen/Zollhaus wurden aus 3 charakteristischen aufeinanderfolgenden Gastropodenassemblages (Potamides hartbergensis, Granulolabium bicinctum und Potamides disjunctus Assemblage) (HARZHAUSER & KOWALKE in press) Formen von Potamides hartbergensis, Granulolabium bicinctum und Potamides disjunctus auf ihre Kohlenstoff- und Sauerstoffisotopenzusammensetzungen untersucht. Insgesamt wurden zwölf Individuen beprobt. Aus jedem Individuum wurden von der Mündung zum Apex hin aus jeder Umwindung zwei Proben mit einem Bohrer (Æ 0.8 mm) für die Isotopenmessungen genommen.
Die Potamides hartbergensis Formen kommen in mergeligen Silten vor. Palökologisch werden diese Sedimente als Ablagerungsraum mit deutlichem Süßwassereinfluß interpretiert. Die Granulolabium bicinctum Assemblage stammt aus dunkelbraunen Tonen und Silten und wird als Mudflat-Stadium interpretiert, während die Potamides disjunctus Assemblage ein littorales bis sehr seicht sublittorales Environment repräsentiert, charakterisiert durch helle, mergelige Sande.

Die Kohlenstoff- und Sauerstoffisotopendaten bestätigen diese palökologische Interpretation: die drei Assemblages unterscheiden sich deutlich in ihren Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopendaten und lassen so eine generelle Differenzierung zwischen marinen und von Süßwasser beeinflußten Formen zu.

HARZHAUSER, M. & KOWALKE, T. (sub./in press): Late Middle Miocene (Sarmatian) Potamidid-Dominated Gastropod Assemblages of the Central Paratethys as Tool for Facies Interpretation. - Facies.
JÀMBOR, A. (1978): New ideas about the changing salinity of the Neogene Seas pre-existing in the present-day Hungerian territory. - Ann. Rep. Hung. Geol. Inst., 1976: 265, Budapest.
PAPP, A. (1954): Die Molluskenfauna im Sarmat des Wiener Beckens. - Mitt. geol. Ges. Wien, 45: 1-112, Wien.
PISERA, A. (1996): Micoene Reefs of the Paratethys: a review. - Models for Carbonate Stratigraphy from Miocene Reef Complexes of Mediterranean Regions. - SEPM 5: 97-103.
RÖGL, F. (1998): Palaeogeographic Considerations for Mediterranean and Paratethys Seaways (Oligocene to Miocene). - Ann. Naturhist. Mus. Wien, 99A: 279-310, Wien.