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FWF-Projekt: Extracting palaeoecological and palaeoclimatic data from dispersed fruits and seeds in Miocene terrestrial ecosystems of eastern Austria - Stand der Forschung

MELLER, B.

Institut für Paläontologie, Universität Wien, Geozentrum, Althanstr. 14, 1090 Wien; email: barbara.meller@univie.ac.at

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes (FWF-Projekt P 13742) werden miozäne Sedimente aus verschiedenen Regionen des österreichischen Molassebeckens, aus intramonanen Becken (Fohns-dorfer Becken) und aus dem Pannonischen Beckensystem (Steirisches Becken, Wiener Becken) beprobt und ausgewertet. Das Ziel des Projektes ist es, anhand der Samen und Früchte die Flora, Vegetation und Faziesräume in den verschiedenen Gebieten und in den verschiedenen Zeitabschnitten zu rekonstruieren und den Einfluß der alpinen Orogenese auf diese zu evaluieren. Dieses geschieht in Zusammenarbeit mit den anderen Projekten des Miozän-Bündels (u. a. Palynologie, Blatt-Vergesellschaftungen, Sedi-mentologie, Isotopen usw.; siehe weitere abstracts oder auch
www.univie.ac.at/Palaeontologie/Projects.htm
oder www.kfunigraz.ac.at/gepwww/forschung/miozaen/).

Vorläufige Ergebnisse
A. Molasse-Becken:
Maiersch, NÖ. (Unter-Miozän, Egerium-Eggenburgium): neue Proben aus der Tongrube Frings werden derzeit untersucht.
Langau, NÖ. (Untermiozän, Eggenburgium-Ottnangium): Zahlreiche Sediment-Proben (von R. Roetzel, GBA Wien) aus dieser Region wurden geschlämmt und werden derzeit ausgesucht. Es zeigt sich nun, daß Ceratostratiotes sinjanus (Kerner) Buzek nicht nur in den siltig-sandigen Schichten des Flöz-Zwischenmittels vorkommt, sondern auch in den basalen molluskenführenden tonigen Sedimenten enthalten ist. Häufig findet man hier auch Megasporen von Wasserfarnen (Salvinia, Azolla) als auch Früchte/ Samen von Typha, Decodon, Cladium, Stratiotes u.a. Die morphologisch-anatomische Untersuchung von Ceratostratiotes zeigt deutliche Beziehungen zu den Hydrocharitaceen, die biochemische Analyse der Testa zeigt jedoch keinerlei Übereinstimmung mit Stratiotes. Die untersuchten Samen stammen aus derselben Probe, sodaß unterschiedliche diagenetische Einflüsse auszuschließen sind. Die systematische Stellung dieser Pflanze bedarf somit weiterer Untersuchungen.
Laimbach, NÖ. (? Obermiozän): Die tonig-kohligen und sandigen Sedimente von Laimbach wurden früher in das Egerium (KNOBLOCH 1981) eingestuft, sind jedoch nach Draxler und Roetzel (in FUCHS 1990) sicher jünger als Mittelmiozän. Die Auswertung kleiner Testproben von Roetzel konnte das Floren-Spektrum deutlich erweitern, sodaß neue Großproben genommen wurden, die derzeit ausgesucht werden. Die Bedeutung dieser Fundstelle begründet sich sowohl in ihrer geographischen Position als auch in ihrer stratigraphischen Stellung, sodaß diese Fundstelle zusätzlich mit einbezogen wurde.
Trimmelkam, OÖ. (Mittel-Miozän, Badenium): Zahlreiche Proben aus verschiedenen Bohrkernen werden derzeit ausgesucht. Das vorläufige Arten-Spektrum beinhaltet fast ausschließlich Pflanzen azonaler Standorte, darunter auch Neunachweise für Österreich, wie z.B. Aldrovanda (Droseraceae).
Burghausen, Salzach (Mittel ?- Ober-Miozän, Sarmatium-Pannonium): Die Flora vom Westufer der Salzach enthält zahlreiche Trapa-Reste zusammen mit anderen aquatischen Elementen. Das Spektrum ist vergleichbar mit jenem aus Hinterschlagen im Hausruck enthält aber auch unterschiedliche Elemente, wie z.B. Spirea (Rosaceae).
Hausruck, OÖ. (oberes Mittel-)- unteres Ober-Miozän, oberes Sarmatium - unteres Pannonium): Es wurden Proben aus verschiedenen Lokalitäten innerhalb des Hausrucker Kohlereviers untersucht. Aus dem ehemaligen Tagebau bei Hinterschlagen N Ampflwang stammt eine außerordentlich reiche aquatische Vergesellschaftung mit zahlreichen Elementen, die erstmals aus Österreich nachgewiesen werden konnten. Die nachgewiesenen Pflanzen-Vergesellschaftungen erfordern einen größeren, vermutlich eutrophen Stillwasserbereich, wie z. B. einen Altwasserarm mit Wassertiefen von 3-5 m. Daneben gab es auch kleinere moorige, eher oligotrophe Gewässer. Dementsprechend unterschiedlich waren die pH-Bedingungen, was anhand der rezenten Vorkommen der nachgewiesenen Pflanzen ebenfalls zu postuliern ist. Dagegen belegt die Flora von Eberschwang, am N-Rand des Hausrucks eher kleinräumige Gewässer. Weiterhin kommt hier Sequoia abietina vor, ein Element welches in der Bayerischen Molassezone fehlt.

B. Die Sedimente der Apfelberg Fm. (Mittel-Miozän, Badenium) im Fohnsdorfer Becken, am W-Ende der Mur-Mürz-Furche, wurden nicht weiter beprobt, da keine neue Bereiche aufgeschlosen waren.

C. Pannonisches Beckensystem
Aus den sarmatischen sandigen Sedimenten bei Markt St. Martin im Burgenland stammt eine neue Flora, die aufgrund des Vorkommen von Ruppia deutlich brackische Verhältnisse dokumentiert, was auch durch die Molluskensteinkerne von Mactriden und Cardiden belegt ist. Das Florenspektrum beinhaltet außerdem diverse aquatische Pflanzen des Süßwassers als auch Elemente trockenerer Standorte oder Pflanzen des Hinterlandes (Carya sp., Carpinus sp., Quercus sp., Fagus sp.). Die Erhaltung ist relativ schlecht und erlaubt nicht immer eindeutige spezifische Bestimmungen.
Aus den tonigen und siltig-sandigen Sedimenten (Pannonium) des Leca-Werks Mataschen bei Fehring im Steirischen Becken wurden diverse Proben aufbereitet und sind derzeit in Bearbeitung. Die basalen Schichten mit Glyptostrobus, Trapa, Spirema-tospermum und zahlreichen Cyperaceen belegen überwiegend aquatische Vergesellschaftungen. Brackische Einflüsse (siehe abstract C.-C. HOFMANN) sind im Frucht- und Samen-Spektrum bisher nicht nachweisbar, jedoch ist die vollständige systematische Bearbeitung noch nicht abgeschlossen. Die Floren-Spektren aus den hangenden Bereichen enthalten ein ähnliches Spektrum, ergänzt durch z. B. Fagus und Carpinus. Die Erhaltung ist hier leider deutlich schlechter, wodurch viele Früchte/Samen spezifisch nicht eindeutig zuzuordnen sind. Auffallend ist hier das regelmäßige Vorkommen einer Menispermaceae Sinomenium cantalense, die erstmals in Österreich nachgeweisen werden konnte.
Proben aus kohlig-tonigen Sedimente (unteres Pannonium) aus der Umgebung von Weiz im Steirischen Becken werden zusätzlich untersucht, um Vergleiche mit den Floren-Spektren aus den kohleführenden Sedimenten des Hausrucks zu ermöglichen und die bisher bekannte Florenliste zu wenig Arten enthielt. Diese von GREGOR in KOVAR-EDER & KRAINER (1988) mitgeteilte Florenliste vom Höllgraben erweitert sich durch Glyptostrobus europaeus, Alnus sp., Acer sp., Carpinus sp., Vitis sp., Saururus bilobatus. Aus anderen Lokalitäten dieser Region konnten außerdem Pterocarya sp., Microdiptera sp. und Eoeuryale sp. nachgewiesen werden. Das Florenspektrum ist insgesamt artenärmer; es fehlen z. B. Haloragaceae, Cabombaceae. Eoeuryale ist bisher der einziger Vertreter der Nymphaeaceae. Für vergleichende Interpretationen sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig.

Ausblick:
Aus dem Wiener Becken fehlen bisher Samen- und Fruchtfloren, abgesehen von einzelnen Pinaceen-Funden oder kleinen Florulen (z. B. BERGER 1952). Die von G. Höck (Naturhist. Mus. Wien) in den obermiozänen Sedimenten am Richardshof S Wien in diesem Jahr durchgeführte Grabung lieferte auch Samen und Früchte, die im Rahmen des Projektes bearbeitet werden sollen.

BERGER, W. (1952): Die altpliozäne Flora der Congerienschichten von Brunn-Vösendorf bei Wien. - Palaeontogr., 92: 79-121, Bonn.
FUCHS, G. (1990): Erläuterungen zu Blatt 36 Ottenschlag. - Geol. Bundesanst. Wien, 1-64, Wien.
KNOBLOCH, E. (1981): Megasporen, Samen und Früchte aus dem österreichischen Tertiär. - Vest. ustr. ust. geol., 56: 87-97.
KOVAR-EDER, J. & B. KRAINER, B. (1988): Die Flora und Facies des Fundpunktes Höllgraben südöstlich Weiz. Unterpannonium, Steirisches Becken. - Mitt. Abt. Geol. Paläont. Landesmus. Joanneum, 47: 27-47, Graz.