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Dynamik und Faziesmuster jurassisch/kretazischer Karbonatplattformen der Nördlichen Kalkalpen (FWF-Projektvorstellung)

RASSER, M.W. & FENNINGER, A.

Institut für Geologie und Paläontologie, Universität Graz, Heinrichstrasse 26, A-8010 Graz, Email

Das Projekt "Jurassich-kretazische Karbonatplattformen" (P 14707-GEO), das seit Juli 2001 am Institut für Geologie und Paläontologie, Graz, läuft, wird in groben Zügen vorgestellt. In diesem Rahmen werden auch die ersten Untersuchungsergebnisse präsentiert, soweit sie die karbonatsedimentologischen Aspekte des Wechsels von Beckensedimentation zur Entwicklung von Karbonatplattformen behandeln.

Der Oberjura und die unterste Kreide in Europa repräsentieren eine besondere Periode mit ausgeprägter Entwicklung von Karbonatplattformen und Riffen. Tektonische Ereignisse und der hohe Meeresspiegel führten zur Bildung von zwei unterschiedlichen marinen Flachwasser-Bereichen, die durch ein ozeanisches Becken voneinander getrennt waren: der südliche Rand des Böhmischen Massivs als Teil der epikontinentalen Europäischen Plattform und die Nördlichen Kalkalpen (NKA). Während die Karbonatsysteme des epikontinentalen Schelfs vorwiegend Rampenstrukturen mit Korallenriffen, Kieselschwammriffen und Mikrobienriffen aufweisen, sind jene der NKA vorwiegend durch isolierte Karbonatplattformen charakterisiert, von denen bisher keine Schwamm- und Mikrobenriffe bekannt gemacht wurden.

In vorliegendem Projekt soll die Entwicklung der oberjurassischen bis unterkretazischen Karbonatplattformen dieser zwei unterschiedlichen Ablagerungsräume ausgearbeitet werden. Die Schwerpunkte werden in einer Analyse der Faziesmuster, der Karbonatplattform-Dynamik, sowie der Paläoökologie von Biokonstruktionen liegen. Dabei wird der epikontinentale Ablagerungsraum der Europäischen Plattform in Österreich, welcher während des Oberjuras eine mehr oder weniger kontinuierliche Abfolge zeigt, mit den vorwiegend isolierten Karbonatplattformen der NKA verglichen, welche sich erst ab dem Oxfordiums/Kimmeridgiums entwickelten.

Somit stellt dieses Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Kenntnis der mesozoischen Karbonatsysteme dar und soll neue Einsichten in die sedimentologischen und paläoökologischen Prozesse in mesozoischen Flachwasserbereichen geben. Einerseits werden für den epikontinentalen Ablagerungsraum in Österreich und die vorwiegend isolierten Karbonatplattformen der NKA Plattform- und Riffmodelle erarbeitet, andererseits sollen bereits existierende Modelle anhand neuer Daten evaluiert werden.

Karbonatsedimentologische Untersuchungen konzentrierten sich im laufenden Jahr auf die Vorkommen zwischen Altaussee und Bad Ischl sowie auf den Anninger als östlichste kalkalpine Oberjura-Entwicklung, wobei am Loser und am Sandling detaillierte Profilaufnahmen durchgeführt wurden. Ziel dieser Untersuchungen ist die Analyse von Karbonatplattformentwicklung und Progradationsmustern, die sich im faziellen Übergang von pelagischen Sedimenten (Oberalm-Fm.) über allodapische Kalke (Barm-steinkalk) und Slope-Brekzien (Tressenstein-Fm.) in Plattformkalke (Plassen-Fm.) ausdrücken.

Eine erste Studie über stabile Isotopen der Plassen-Fm. an einem repräsentativen Profil der Typuslokalität wurde bereits durchgeführt. Anhand von d18O and d13C Daten konnten die Diageneseabfolge sowie drei Generationen von syn- und postsedimentären Klüftungen definiert werden. Die Isotopendaten zeigen weiters das Fehlen von Evaporisation und Süßwassereinfluß für das untersuchte Profil an, was als Abwesenheit von Plattformemersionen interpretiert werden kann.
Außerdem werden zur Zeit die lithostratigraphischen Einheiten des kalkalpinen Oberjuras neu bearbeitet und formalisiert. Unsere Arbeit konzentriert sich auf jene Einheiten, deren Typuslokalitäten im Mittelabschnitt der Nördlichen Kalkalpen liegen, wobei die meisten dieser Lokalitäten aufgesucht und neu beprobt wurden. Auch die Schrambachschichten, die teilweise bereits im Oberjura beginnen, werden zur Zeit neu bearbeitet und formalisiert.

Im nächsten Jahr wird sich die Arbeit auf die Plattformkalke der Plassen- und Tressenstein-Fm. konzentrieren. Schwerpunkte werden dabei in der Erfassung der Biokonstruktionen liegen und in einer Rekonstruktion der Ablagerungsräume anhand der Analyse von Karbonatfaziesmustern. Langfristiges Ziel ist die Rekonstruktion der Biokonstruktions-Typen, der palökologischen Beziehungen der Riff-Bildner sowie eine Evaluierung der aus dem epikontinentalen Raum vorliegenden Riff-Modelle. Die bisher aus der Literatur bekannten Daten lassen erwarten, dass die Modelle aus dem epikontinentalen Raum nur eingeschränkt auf den kalkalpinen Bereich übertragbar sind.

Projektbezogene Publikationen und Tagungsbeiträge:
FENNINGER, A. & RASSER, M.W. (2001): Upper Jurassic to Lower Cretaceous Dasycladaleans of the Northern Calcareous Alps (Austria) - the State of Knowledge. - Abstracts 4th Regional Symposium of the International Algae Association, Cluj-Napoca: 24.
LOBITZER, H., VASICEK, Z., SKUPIEN, P., BOOROVA, D. & RASSER, M.W. (2000): Stratigraphie der Schrambachschichten (Schram-bach-Formation) an der Typuslokalität: Lithostratigraphisches Konzept und neue biostratigraphische Daten. - Ber. Inst. Geol. Paläont. Karl-Franzens-Univ. Graz, 2: 13-15, Graz.
RASSER, M.W. & FENNINGER, A. (in press): Paleoenvironmental and Diagenetic Implications of d18O and d13C Isotope Ratios from the Upper Jurassic Plassen Limestone (Northern Calcareous Alps, Austria). - Geobios.
RASSER, M.W. & FENNINGER, A. (2000a): Paleoenvironmental and Diagenetic Implications of d18O and d13C Isotope Data from the Upper Jurassic Plassen Limestone (Northern Calcareous Alps). - EPA Workshop 2000 - Isotopes in Palaeontology, Frankfurt.
RASSER, M.W. & FENNINGER, A. (2000b): d18O und d13C Isotopen aus dem oberjurassischen Plassenkalk (Nördliche Kalkalpen, Österreich) und ihre Bedeutung für die Rekonstruktion der Diagenesebedeingungen und des Ablagerungsraumes. - Abstracts zum 5. Sedimentolo-genworkshop, Seewalchen.
RASSER, M.W., GAWLICK, H.-J. & STEIGER, T. (2000): Konzept zur formalen lithostratigraphischen Gliederung des kalkalpinen Oberjuras. - Ber. Inst. Geol. Paläont. Karl-Franzens-Univ. Graz, 2: 16-20, Graz.