Zurück zu den Abstracts des ÖSW 7

EREIGNISSE AN DER DEVON/KARBON-GRENZE: WIE DAS GRAZER PALÄOZOIKUM DAS GLOBALE BILD ERGÄNZT

Ana-Voica Bojar1 & Franz Neubauer2

1Institut für Geologie und Paläontologie, Heinrichstraße 26, Karl-Franzens-Universität, A-8010 Graz
2 Institut für Geologie und Paläontologie, Hellbrunnerstraße 34, Paris-Lodron-Universität, A-5020 Salzburg

Das Massensterben an der Devon/Karbon-Grenze (D/C) ist das sechstgrößte des Phanerozoikums, faktisch mit demselben Umfang wie das Frasne/Famenne-Ereignis. Davon betroffen waren viele Organismengruppen wie Conodonten, Ammoniten, Echinodermaten, Trilobiten, Ostrakoden, Foraminiferen und Korallen (Flajs et al., 1988; Simakov et al., 1993). Kurz nach dem Ereignis kam es zu einer Phase der Ausbreitung und biotischer Innovation. Diese Phase ist durch Mannigfaltigkeit und Blüte von bestimmten Organismen, wie z. B. den Tetrapoden gekennzeichnet (Walliser, 1996). Das D/C-Massensterben wird von einem weltweiten, anoxischen Ereignis begleitet, welches durch die an organischem Material reichen Hangenberg-Schiefer repräsentiert wird. Die Entwicklung der Hangenberg-Schiefer wird mit einer Inversion der oeanischen Zirkulation in Verbindung gebracht (Holser et al., 1996; Caplan & Bustin, 1999). Geochemische Untersuchungen zeigen Ir-Anomalien an der Basis und im Hangenden der Hangenberg-Schiefer. Die Herkunft dieser Anomalien steht zur Zeit zur Diskussion. Sie könnten mit einem Asterioden-Impakt oder dem Übergang Kalk zu Schiefer in Zusammenhang stehen.
Es gibt weltweit wenige D/C-Grenzprofile innerhalb einer homogenen lithologischen Sequenz. Eine davon ist das Steinbergprofil im Grazer Paläozoikum (Nössing, 1974; Ebner, 1980). Mit detaillierten geochemischen Untersuchungen können wir zeigen, dass die D/C-Grenze unter dem Einfluß von mehreren Ereignissen steht. Unsere Daten (Sauerstoff-, Kohlenstoffisotopen- und geochemische Daten, insbesondere IR) zeigen zusammen mit Literaturdaten, dass tatsächlich ein Asteroid-Impakt an der D/C-Grenze stattgefunden hat. Dieses Ereignis eindeutig jünger als das anoxische Hangenberg-Event, welches schon im Oberdevon begonnen hat.

Caplan, M.L. & Bustin, R.M. 1999. Devonian-Carbonifereous Hangenberg mass extinction event, widespread organic-rich mudrock and anoxia: causes and consequences. Paleogeography, Paleoclimatology, Paleoecology 148, 187-207.
Ebner, F. 1980. Conodont localities in the surrounding of Graz/Styria. Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt Wien 35, 101-127.
Flajs, G., Feist. G. & Ziegler, W. (eds.) 1988. Devonian Carboniferous boundary: results of recent studies. Courier Forschung-Institut Senckenberg 100, 240p.
Holser, W., Magaritz, M. & Ripperdan, R.L. 1996. Global Isotopic Events, in Walliser O.H. (ed.), Global Events and Event Stratigraphy in the Phanerozoic, Springer Verlag, 63-88.
Nössing, L. 1974. Die Sanzenkogel Schichten (Unterkarbon), eine biostratigraphische Einheit des Grazer Paläozoikums. Mitteilungen des Natuerwissenschaftlichen Vereines für Steiermark 105, 79-92.
Simakov, K.V. 1993. The dynamics and biochronological structure of the Hangenbergian bioevent. Paleogeography, Paleoclimatology, Paleoecology 104, 127-137.
Walliser, O.H. 1996. Global Events in the Devonian and Carboniferous, in Walliser O.H. (ed.), Global Events and Event Stratigraphy in the Phanerozoic, Springer Verlag, 225-250.