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FAZIES UND GEOMETRIE DES LEITHAKALKSTEINBRUCHS RETZNEI/ROSENBERG BEI EHRENHAUSEN

C. W. Erhart & W. E. Piller

Institut für Geologie und Paläontologie, Karl-Franzens-Universität Graz, Heinrichstraße 26, A-8010 Graz

Das Steirische Becken wird als Teil des Pannonischen Beckensystems betrachtet. Es gliedert sich intern in ein Weststeirisches und ein Oststeirisches Becken, getrennt durch die Mittelsteirisches Schwelle, die sich von Graz nach Süden bis zur slowenischen Grenze zieht.

Die Beckenfüllungen umfassen marine und terrestrische Sedimente vom Ottnangium bis in das Pliozän, wobei intensiver Vulkanismus im Mittel-Miozän und im Pliozän auftritt. Während des Badeniums konnten sich an den Beckenrändern und Schwellen Karbonatkörper (Leithakalke), wie jener in Retznei bei Ehrenhausen (Blatt 207 Arnfels) und heute als Steinbruch der Lafarge-Perlmoser Zementwerke AG genutzte, bilden.

Das Steinbruchareal ist zweigeteilt, die Arbeit beschränkt sich, aufgrund der heute besseren Aufschlussverhältnisse, auf den nordöstlichen Bereich (Rosenberg).

Ziel der noch laufenden Arbeit ist es, die Gesamtgeometrie, Fazies und Paläoökologie des in der Literatur auch als "Riff" bezeichneten, rund 25 Meter mächtigen Karbonatkörpers zu klären und versteht sich auch als Beitrag zum laufenden Projekt P-14366-Bio: "Stable Isotopes and changing Miocene paleoenvironments in the East Alpine region."

Die Schichtfolgen beginnen mit dem karpatischen "Steirischen Schlier", der auf wenigen Metern als deutliche primäre Aufwölbung aufgeschlossen vorliegt. Darüber setzt, durch eine Diskordanz ("Steirische Diskordanz") getrennt, über einem geringmächtigen Basiskonglomerat die Karbonatentwicklung ein. Auf unterschiedlichen Niveaus und auch direkt auf dem karpatischen Paläorelief setzen "patch-reefs" auf, aufgebaut hauptsächlich aus massigen Korallenstöcken. Die in diesem Bereich ausgeprägten lateralen Faziesübergänge zeigen eine auffällige Zonierung von Korallen im Zentrum, Rhodolithen, Bryozoen und Grossforaminiferen auf nur wenigen Metern. Das Ende der "patch-reefs" durch subaerische Exposition, markiert eine deutlich erkennbare, gewellte Erosionsfläche. Darüber gleichen vor allem Rotalgenschutt, Rhodolithen und einige wenige Korallenbänke das Relief aus, mehrfach unterbrochen durch Diskordanzen, in deren Bereich Vulkanite auffällig gehäuft zu finden sind. Das Ende der Karbonatentwicklung markiert wiederum eine wellige Erosionsfläche, über der stark terrigen beeinflusste Sande zur Ablagerung kamen.

Friebe, J. G., 1989: Stratigraphie und Fazies der Leithakalkareale der Mittelsteirischen Schwelle (Oststeirisches Becken, Badenien). - Unveröff. Diss., Graz.
Dullo, W. C., 1983: Fossildiagenese im miozänen Leitha-Kalk der Paratethys von Österreich: Ein Beispiel für Faunenverschiebung durch Diageneseunterschiede. - Facies, 8: 1 - 112, Erlangen.