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1. Einführung

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Danksagungen

Literatur

Abbildung - der Stammbaum

140 Jahre Steinheimer Schnecken-Stammbaum:
der älteste fossile Stammbaum aus heutiger Sicht

von Michael W. Rasser
Naturkundemuseum Stuttgart

3. Der Steinheimer Kratersee

Das Steinheimer Becken liegt bei Steinheim am Albuch auf der Ostalb (Baden-Württemberg), westlich von Heidenheim an der Brenz. Dieses Becken stellt einen Impakt-Krater im Weißjurakalk mit einem Durchmesser von ca. 3,5 km dar, entstanden im Mittelmiozän (Oberes Badenium, Säugerzone MN7: Zusammenfassung in Heizmann & Reiff 2002). Es wird angenommen, dass der Steinheimer Krater gleichzeitig mit dem Ries-Impakt entstand, welcher kürzlich mit 14,3 +/- 0,2 Mio Jahren neu datiert wurde ( Buchner et al. 2003).

Es wird angenommen, dass sich in diesem Krater relativ schnell ein See bildete mit einer Wasserzufuhr aus Karstsystemen und Niederschlag, allerdings ohne Zu- oder Abflüssen ( Reiff 1988). Der See, von dem heute noch 30–40 m mächtige Sedimente erhalten sind ( Mensink 1984), dürfte ein paar hundert tausende bis mehr als eine Million Jahre bestanden haben, was einem Langzeitsee entspricht ( Gorthner 1992). Der See unterlag vielfachen physikalischen Umweltveränderungen, wie Seespiegelschwankungen und Eindampfung, aber er trocknete nie aus, und die Eindampfung erreichte nie einen für die vorkommenden Mollusken lebensfeindlich-hypersanlinaren Gewässertyp (Zusammenfassungen mit weiterführender Literatur: Adam 1980; Gorthner 1992; Heizmann & Reiff 2002; Tütken et al. 2006).

Die in diesem See abgelagerten „Schneckensande“ sind schon lange bekannt und wurden bereits im Neolithikum als Schmuck für Ketten gesammelt ( Gorthner 1992). Schriftlich erwähnt wurden sie erstmals vom herzoglich württembergischen Leibarzt Lentilius im Jahre 1711. Wie Adam (1980) ausführt, erkannte dieser darin allerdings keine Überreste fossiler oder rezenter Organismen. Von früher wissenschaftlicher Bedeutung sind die Arbeiten Adolph von Kleins, der die Einzigartigkeit der Steinheimer Schnecken im Vergleich zu anderen Fossilvorkommen erkannte ( Klein 1847) und mit „Planorbis kleini“ (= Gyraulus kleini) die nicht-endemische Stammform aus den basalen Schichten beschrieb. Nach Hilgendorf (siehe unten) verfassten zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem F. Gottschick und W. Wenz (Zitate in Wenz 1923 und Adam 1980) grundlegende Arbeiten über die Steinheimer Schnecken. In der jüngeren Zeit waren dies Mensink (1984), Gorthner (1992), Nützel & Bandel (1993), Povel (1993) und Finger (1998).

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Text, Fotos und html von Michael W. Rasser
z.T. publiziert in Geologica et Palaeontologica 40